Eifelyeti

Die ehemalige NS Ordensburg Vogelsang in der Eifel hatte 1944/45 quasi keine militärische Bedeutung. Sie ist allerdings ein bedeutendes Zeugnis nationalsozialistischen Denkens und Wirkens in der Nordeifel. Als besonders erhaltenswertes Bauwerk möchte ich sie hier einmal vorstellen.

Die Burg Vogelsang ist seit dem 1.1.2006 täglich zugänglich. Führungen finden Sonntags statt. Der ehemalige Truppenübungsplatz ist Teil des Nationalparks Eifel und darf nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden. Über die weitere Nutzung der Burganlage wird noch gestritten.

Insgesamt umfasst das Areal Vogelsang etwa 4.500 Hektar. Die Gebäude haben eine Nutzfläche von rund 70.000 Quadratmeter. Dies war allerdings nur der Anfang der ursprünglich geplanten Anlage. Weitere Planungen, wie ein KdF-Hotel für 2.000 Gäste, das 100 Meter hohe "Haus des Wissens", Exerzier- und Reithalle sowie das Dorf Vogelsang wurde nie vollendet.

Klicken zum Vergrößern

Lageplan

Schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hielt das "Führerprinzip" in Bildung und Erziehung Einzug und es gab die ersten Überlegungen zur Schulung des Führernachwuchses. Am 8. März 1934 berichtet der "Westdeutsche Beobachter" erstmals über den Bau eines Schulungslagers der NSDAP am Urftsee. Am 16. März 1934 erfolgte der erste Spatenstich zum Reichsschulungslager Vogelsang. In atemberaubender Geschwindigkeit hatte der Kölner Architekt Clemens Klotz die Pläne für die monumentale Anlage entworfen. Die Bauarbeiten waren gigantisch. Es mussten Straßen angelegt werden - die Breite der B266 ist bis heute auf die Bauarbeiten zurückzuführen - es wurden in den ersten Bauabschnitten 270.000 m3 Erde und Fels bewegt. Am 22. September 1934 war Grundsteinlegung und schon am 15. Dezember 1934 war Richtfest. 

Burg Vogelsang 1936

In der Zeit bis zur Einweihung der Ordensburgen, die Adolf Hitler am 24. April 1936 auf der Ordensburg Crössinsee im Pommern vornahm, entwickelten die Nationalsozialisten den Begriff Ordensburg und den Schulungszyklus der die "Führeranwärter" zu "Führern, Predigern und Schwärmern" der Nationalsozialistischen Ideologie machen sollte. Dazu sollten die "Führeranwärter" jeweils ein Jahr in jeder der Ordensburgen, die bewusst an den Grenzen des Reiches lagen, verbringen. In Crössinsee sollte die charakterliche Schulung erfolgen. In der Ordensburg Sonthofen im Allgäu sollten die Verwaltungs- und Militäraufgaben sowie politische und diplomatische Schulung erfolgen. Auf der Ordensburg Vogelsang wurde die rassistische Philosophie der "neuen Ordnung" verbreitet. Die ersten "Ordensjunker" zogen am 1. Mai 1936 in Vogelsang ein.

Ostflügel der Burg mit Turm In dieser Ausbauphase waren die wichtigsten Bauten für den Schulungsbetrieb fertiggestellt. Viele weitere Planungen waren noch im Bau. Man ging davon aus, dass die Bauarbeiten noch weitere 10 Jahren dauern und über 250 Mio. Reichsmark kosten sollten. Zum zentralen Burgbereich gehört der Ostflügel der Burg mit dem 50 m hohen Wasserturm. Im zerstörten Obergeschoss des Ostflügels war der Schulungsraum für die 500 Lehrgangsteilnehmer. Im Untergeschoss des Turm war die sogenannte Ehrenhalle, ein Kultraum mit den Namen der "Gefallenen vom 9. November 1923" und dem Standbild des "Deutschen Menschen". Die Innenausstattung dieses Raumes ist verschwunden.
Der Adlerhof ist der zentrale Burgbereich. Um diesen Hof gruppiert ist die Wandelhalle mit grandiosem Blick über Urftsee und Kermeter sowie die Räume des Burgkommandanten. Ein Teil der Gebäude ist zerstört. Hier gaben sich die prominenten Besucher der Burg die Klinke in die Hand. Verbürgt sind die Besuche von Adolf Hitler am 20.11.1936 und 29.4.1937. Neben vielen bekannten Besuchern wie Josef Göbbels, Rudolf Heß, Heydrich, Julius Streicher, Hermann Göring, Baldur von Schirach waren auch immer wieder in- und ausländische Besuchergruppen auf der Burg. Im Adlerhof mit Blick auf die Wandelhalle
Westflügel der Burg Im Westflügel der Burg war das Gemeinschaftshaus untergebracht. Dort waren die Lesesäle und Arbeitszimmer der "Junker". Hier wurde im straf organisierten Tagesablauf in Arbeitskreisen "selbstständig wissenschaftlich" gearbeitet. Insgesamt waren 500 Lehrgangsteilnehmer untergebracht.
Dabei bildeten jeweils 50 Mann eine Kameradschaft, die gemeinsam wohnten und lebten. Die Kameradschaften waren in den Kameradschaftshäusern zur Seeseite hin untergebracht. Die Ausstattung war spartanisch mit zwei Gemeinschaftsschlafräumen nur mit Bett und einem Schrank je Teilnehmer ausgestattet. Von den ursprünglich zehn Häusern haben acht die Zeit überdauert. Kameradschaftshäuser
Hundertschaftshäuser Um die Anzahl der Lehrgangsteilnehmer auf bis zu 1000 zu erhöhen wurden 1937 die sogenannten Hundertschaftshäuser errichtet. Die "Junker" sollten eine Elite in nationalsozialistischen Sinne sein. Daher galten folgende Auswahlkriterien: völlige körperliche Gesundheit, keine Behinderungen (keine Brillenträger), rassisch Einwandfrei, hervorragende charakterliche und geistige Veranlagung, Mindestgröße 160 cm und Alter zwischen 23 und 26 Jahren. 

Die starke Fixierung auf körperliche Merkmale wurde später auch innerhalb der NSDAP kritisiert. So konnten viel der "Junker" dem Lehrstoff geistig nicht folgen. Trotzdem nahm der Sport und die körperliche Ertüchtigung eine hohem Stellenwert bei der Ausbildung ein. Daher wurden moderne Sportanlagen errichtet. Vollendet wurde ein Sportplatz, Schwimmhalle, Turnhalle und der Flugplatz Walberhof. Die geplante Reithalle wurde nicht mehr gebaut.

 

Das Sportlerrelief am Sportplatz
Freilichtbühne und Sportstätten Auch für die kulturelle Bildung der "Junker" wurde gesorgt. Eine eigens angelegte Freilichtbühne bot bis zu 1700 Menschen platz. Ursprünglich als Thingstätte errichte Anlage wurde, nachdem Thingspiele nicht mehr in die nationalsozialistische Ideologie passten, als Feierstätte bezeichnet.
Im Kanon des NS-Feierjahres spielten die Sonnenwendfeiern eine besondere Rolle. In Vogelsang wurde ein Sonnenwendplatz mit der Statue des Fackelträgers geschaffen. Das Fackelträgerrelief wurde vom Bildhauer Willy Meller 1936 entworfen und 1938 vollendet. Es besteht aus Muschelkalk, ist etwa 6 m hoch und trug eine Feuerschale auf dem Denkmalsblock. Als Modell für den Fackelträger diente ein Kölner Bademeister.  Relief des Fackelträgers
Die Burgschänke innen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben dem Lehralltag blieb den "Junkern" genügend Zeit für Freizeitaktivitäten. Um diese zu bündeln wurde auf Vogelsang eine eigene Restauration - die Burgschänke - errichtet. Sie entstand im zweiten Bauabschnitt aber noch 1936. Im Untergeschoss hinter einem Arkadengang mit Kegelbahn und Billardraum. Im Obergeschoss der Saal und das Kaminzimmer. Die Burgschänke ist auch in der Innenausstattung fast original erhalten und steht außen wie innen unter Denkmalschutz.Die Burgschänke
Für Ausflüge und Besichtigungen standen den "Junkern" zwölf moderne Busse zur Verfügung, die im Fahrzeughof geparkt waren. Das extreme Elitebewusstsein, das den "Junkern" antrainiert wurde, führte zu nicht mehr gewünschtem "Höhenfimmel". Bei gemeinschaftlichen Ausflügen in die Umgebung stieß das "Einfallen" der "Junker" bei der Bevölkerung auf alles andere als Gegenliebe. So mehrten sich die Stimmen, die eine grundlegende Neuorientierung der Lehrgänge und des Auswahlverfahrens forderten. Blick zum Fahrzeughof
Der Eingangsbereich Malakoff Neben dem Fahrzeughof entstand der Eingangsbereich des Burggeländes. Der 1936/37 als Wach- und Torgebäude errichtete Bau trägt heute den Namen Malakoff und bildet den Eingangsbereich in das Burggelände.
Mit Begin des zweiten Weltkriegs wurde der Schulungsbetrieb eingestellt da alle "Junker" zur Wehrmacht eingezogen wurden. Daher gibt es keinen einzigen vollständig ausgebildeten Lehrgangsteilnehmer. Die Bauarbeiten wurde auch weitgehend eingestellt.  Weitere Planungen sahen noch den Bau des Haus des Wissens, einem 300 x 200 m großen Monumentalbaus vor, der einen Festsaal mit 2000 Sitzplätzen  beherbergen sollte. Bei Einstellung der Bauarbeiten waren die Grundmauern des Gebäudes schon errichtet. Auf diesen Grundmauern wurde 1951 die belgische Kaserne "Van Dooren" erbaut. Van Dooren Nordseite 

 

 

 

 

 

 

 

 

Van Dooren Südseite
Das Kino Des weiteren errichteten die Belgien ein Kino, dass in seiner ursprünglichen Ausstattung aus den 50er Jahren erhalten ist und ebenfalls neuerdings unter Denkmalschutz steht. Es beherbergt mit 1200 Sitzplätzen einen der größten Kinosäle Deutschlands. 
Um die jährlich etwa 40.000 NATO-Soldaten, die für Manöver in Vogelsang waren unterzubringen, wurde auch das Barackenlager Schelde errichtet. Barackenlager Schelde

Während des zweiten Weltkriegs war in der Burg Vogelsang zeitweilig eine Adolf-Hitler-Schule untergebracht. Ab 1942 wurde das Haus für weibliche Angestellte zum "Heim für werdende Mütter" umfunktioniert. Diese wurde aus dem Rheinland und der Eifel hierher evakuiert. Ende 1944 wurde eine Messerschmidt Jagdflugzeugstaffel auf Vogelsang stationiert und die Burg diente als Kriegslazarett. Am 4. Februar 1945 wurde die Ordensburg Vogelsang durch das 1. Bataillon des 47. Infantry der 9. US-Infanteriedivision besetzt. Acht Tage lang hatten die amerikanischen Truppen ihr Hauptquartier auf der Burg. 

Von Ende 1945 bis Mitte 1946 stand die Burg leer, was zu einem "Schwund" der Einrichtung führte. Von 1946 bis 1950 war die Anlage britischer Truppenübungsplatz. Von 1950 bis 2005 nutzten zunächst Belgier und später verschiedene NATO-Länder das Gelände als Truppenübungsplatz. Das belgische Kommando blieb bis 2005 erhalten.

Ab 1. Januar 2006 ist die Anlage für Jedermann zugänglich. Besuchszeiten und weitere Informationen unter:  Serviceagentur-Vogelsang.

Zur Homepage